Aktuelles zu unserer Chiapas-Reise

28.2.2026
 

Im Februar 2026 sind wir zu zweit auf Besuchsreise in Chiapas, Mexiko, gemeinsam mit einer Person von der Kollektiven Kaffeerösterei La Gota Negra und zwei weiteren Gruppen aus dem Red Pro Zapa Netz aus Italien und der Schweiz, die ebenfalls Kaffee der Zapatistas importieren.

In den nächsten Wochen besuchen wir die Kaffeekooperativen Yachil und Yochin, von denen wir unseren zapatistischen Kaffee beziehen, sowie solidarische Gruppen und Organisationen, die vor Ort aktiv sind.

In der nächsten Zeit werden wir hier immer mal wieder kurz etwas von uns hören lassen.


4.2.: „Hay que globalizar la solidaridad“ – die Solidarität muss globalisiert werden - Besuch beim Menschenrechtszentrum FrayBa

6.2.: „Solitxs no vamos a poder“ – alleine werden wir es nicht schaffen - Treffen mit DESMI

9.-10.2.: Besuch bei der Kooperative Yochin Tayel K'inal

13.-18.2.: Besuch bei der Kooperative Yachil Xojobal Chulchán

28.2.: Ciao ciao...






Wandbilder im Eingangsbereich des Menschenrechtszentrums FrayBa


„Hay que globalizar la solidaridad“ – die Solidarität muss globalisiert werden

Am Mittwoch, den 4.2., haben wir das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas besucht. Dieses wurde 1989 als Anlaufstelle für indigene Menschen gegründet, um sie über ihre Rechte aufzuklären und diese auch durchzusetzen. In den 80er Jahren war die indigene Bevölkerung, insbesondere in der Stadt San Cristóbal de las Casas, massiver gesellschaftlicher Diskriminierung und Ausbeutung ausgesetzt. So war es „normal“, dass sie den Gehweg verlassen mussten, wenn ihnen eine nicht indigene Person entgegen kam. Auch gegen direkten Blickkontakt gab es gesellschaftliche Verbote. Seither, insbesondere durch den Aufstand der Zapatistas 1994, hat sich viel geändert,

Menschenrechtsverletzungen wie Verschwindenlassen, Landvertreibungen, willkürliche Festnahmen kommen jedoch weiterhin häufig vor. Das FrayBa dokumentiert diese, begleitet die Betroffenen und entsendet seit 30 Jahren Beobachter*innen in von Vertreibung und Gewalt betroffene Gemeinden.

Aufgrund dieser Arbeit ist auch das FrayBa selbst von Repression betroffen. Im Kontext einer Politik der zunehmenden Vermarktung von Chiapas für den Tourismus, wird das Zentrum durch sein Anprangern von Menschenrechtsverletzungen zum Feind des staatlichen Narrativs des „sicheren Urlaubsparadieses“ Chiapas. So wurden in den letzten Jahren Mitarbeitende immer wieder bedroht, in einem Fall kam es zu einer Entführung.

Auf der Webseite des FrayBas gibt es regelmäßig Urgent Actions, die Menschen weltweit unterschreiben können, um Druck auf die mexikanischen Behörden auszuüben – denn es ist notwendig, wie es eine Mitarbeiterin des FrayBas öfters betonte, die Solidarität zu globalisieren.


Außenansicht des Menschenrechtszentrums mit massiven Sicherheitsvorkehrungen



Internationale Solidarität an der DESMI Fassade


Treffen mit DESMI: „solitxs no vamos a poder“ – alleine werden wir es nicht schaffen

Am Freitag (6.2.) haben wir gemeinsam mit den Kollektiven la gota negra und Café Rebeldía aus der Schweiz die Organisation DESMI in ihren Räumen in San Cristóbal besucht. Das Team empfing uns herzlich. Im Austausch diskutierten wir ihre und unsere Arbeit sowie die politischen und sozialen Gegebenheiten vor Ort und weltweit.

Zunächst aber kurz zur Lage in Chiapas:

Wie uns bereits in verschiedenen Gesprächen berichtet wurde, sind die Landfrage und der Kampf gegen Megaprojekte erneut zum zentralen Kampffeld in Chiapas geworden. In den vergangenen Jahren war durch Kartellkriege die Gewalt in Chiapas eskaliert. Erschreckend ist, dass Unternehmer*innen, Regierungen und die organisierte Kriminalität oft zusammenarbeiten. Diese „Triade" hat ein gemeinsames Interesse an der Durchsetzung von Megaprojekten wie dem Tren Maya, der neuen Autobahn zwischen San Cristóbal und Palenque und dem Vorantreiben des Extraktivismus in der Region. Da die Grenzen zwischen den Akteuren häufig fließend sind, kann eine Bandbreite legaler und illegaler gewaltsamer Mittel ausgeschöpft werden. Die Bevölkerung ist in der Region stark in Selbstverwaltung organisiert, was sie zu Hindernissen der Megaprojekte macht und Repressionen nach sich zieht.

Die massive Kartellgewalt ist zwar nach dem Regierungsantritt des neuen Gouverneurs abgeklungen und die Lage wirkt ruhiger, doch viele Organisationen blicken mit großem Misstrauen auf den neu ausgerufenen „Frieden“ in Chiapas. Die bewaffneten Akteure sind weiterhin präsent, und die Gewalt kann jederzeit wieder aufflammen.

Zurück zu DESMI:

DESMI wurde 1969 – wie auch das FrayBa – von Samuel Ruiz, dem damaligen Bischof von San Cristóbal, gegründet. Ruiz ist weit über Chiapas hinaus bekannt als politisch engagierter Kirchenvertreter, der unter anderem 1996 als Vermittler zwischen dem mexikanischen Staat und den Zapatistas bei den Gesprächen von San Andrés aktiv war. DESMI ist eine laizistische Organisation, die den Aufbau von Autonomie, Geschlechtergerechtigkeit und solidarischen Wirtschaftsstrukturen in indigenen widerständigen Gemeinden in Chiapas begleitet und unterstützt. Zentral sind dabei der Aufbau von Ernährungssouveränität und die Stärkung von Prozessen zur organisierten Verteidigung der Territorien – beispielsweise gegen Megaprojekte.

Die Mitarbeitenden von DESMI arbeiten direkt in den Gemeinden des Hochlands, im Norden (lakandonischer Urwald) und an der Küste Chiapas’, insbesondere im Bereich der Agrarökologie.

Neben der angespannten bis lebensbedrohlichen Sicherheitslage, die bereits dazu führte, dass Regionen aufgegeben werden mussten, sind die Auswirkungen des Klimawandels eine der größten Herausforderungen.

Jahrhundertelang orientierten sich die indigenen Gemeinden an festen Kalendern und einem Rahmen von Feierlichkeiten, die die Zyklen von Saat und Ernte rahmten. Inzwischen sind die Auswirkungen der Klimakatastrophe so massiv, dass dieses alte Wissen nicht mehr ausreicht. Trockenheit, Pflanzenkrankheiten und außerplanmäßige Starkregenfälle führen zu Bodenerosion und Missernten. Die Anpassung an diese sich zuspitzenden Bedingungen erfordert neue Zeitpunkte für Aussaat und Ernte sowie Methoden zur Anpassung von Saatgut, den Einsatz organischer Dünger und die Nutzung von Mikroorganismen.

Hierbei unterstützt DESMI die Kleinbäuer*innen und experimentiert gemeinsam mit ihnen an neuen, kreativen Wegen. Mehrfach wurde betont, dass es besonders Frauen sind, die an Workshops teilnehmen und bereit sind, Neues und Nachhaltiges auszuprobieren. Wenn die Ernten dann ertragreicher ausfallen als andere, wächst plötzlich auch das Interesse der eher konservativen Männer.

Da widerständige Praxis allein auf landwirtschaftlicher Ebene der Komplexität der kapitalistischen und kriegerischen Weltlage wenig entgegenzusetzen hat, wurde die Notwendigkeit größerer Organisierung betont – auch in Europa. Denn alleine geht es nicht: „solitxs no vamos a poder".


Blick in den Garten, der bald als Test-Beet genutzt wird.





Lager- und Weiterverarbeitungshalle der Kooperative


Besuch bei der Kooperative Yochin Tayel K'inal

Die zweite Woche in San Cristobal haben wir mit einem Besuch bei der Kaffeekooperative Yochin Tayel K'inal begonnen. Bereits während der ca. 3-stündigen Fahrt berichtete der Taxifahrer von den illegalen Abholzungen in der Region, die wir beim zweiten Blick über die grünen Berge erkennen konnten, immer wieder kahle Stellen im Wald und meterhohe Holzstapel am Straßenrand. Geduldet und teilweise durch staatliche Akteure gefördert, bedrohen die Abholzungen die Biodiversität und zerstören den natürlichen Schutz vor Bodenerosionen bei starken Regenfällen nach langer Trockenzeit. Auch geht die Bereicherung in die immergleichen Taschen und alle, die sich dem entgegen stellen werden unterdrückt bis zur Ermordung, so der Taxifahrer.


Wandbild der staatlichen "Antikorruptions-Kampagne"


In Altamirano angekommen, fällt schnell ins Auge, dass der Schein der heilen Welt auch hier gewahrt werden soll. „Cero Corrupción Cero Tolerancia“ (Keine Korruption Keine Toleranz), schreit es förmlich von Metergroßen Wandbildern an mehreren Stellen der Stadt. Die staatliche Anti-Korruptions-Kampagne soll dazu anregen entsprechende Fälle zu melden. Es fühlt sich an wie blanker Hohn, wenn man die Gespräche der letzten Tage und das Zusammenspiel von Regierung, staatlichen Repressionsorganen und organisierter Kriminalität im Hinterkopf hat.

Die Bodega (Büro und Produktionshalle) der Kooperative liegt am Stadteingang, hier hat sich seit dem letzten Besuch einiges verändert, vor allem der neue Anstrich in hellem Türkis leuchtet. Wir werden sehr herzlich in Empfang genommen, neben der Mesa Directiva (Vorstand der Kooperative, der 3-jährlich rotiert), sind auch Vertreter der einzelnen Anbauregionen anwesend, sodass wir einen möglichst umfangreichen Überblick der momentanen Situation der Produzierenden, und der Rahmenbedingungen des Anbaus dargelegt bekommen. Die gemeinsame Sprache ist Spanisch, die Muttersprachen sind Tseltal, Tzotzil und Tojolabal.

Wie schon in vorherigen Gesprächen z.B. mit FrayBa und DESMI sind auch hier die Themen Klimaveränderungen und der Einfluss der politischen Lage in den einzelnen Gebieten zentral. Außerdem beschäftigt das europäische Gesetz zur Sicherstellung entwaldungsfreier Lieferketten die Produzierenden sehr. Die neuen Anforderungen für die Entwaldungsfreien Lieferketten, wie auch für die Bio-Zertifizierung, bedeuten einen enormen Mehraufwand + -kosten für die Kooperative, die große Zeit- und Geldressourcen frisst. Darüber hinaus birgt eine solche Datensammlung neues Represssions-Potenzial für diese widerständigen Bewegung.

Auch die Dimension der Anstrengungen der Selbstverwaltung der autonomen Gebiete wurde sehr deutlich als berichtet wurde, wie viele Aufgaben alle Anwesenden zusätzlich zu den rotierenden Ämtern, in die sie immer wieder gewählt werden, haben. So sind sie zeitgleich Kaffeeproduzierende, Subsistenzwirtschaftende, haben Familien, sind z.B. Lehrende autonomer Schulen, und in wechselnden Positionen der politischen Selbstverwaltung und Entscheidungsgremien aktiv. Dazu kommen regelmäßige Asambleas (Plenum, juchuu!) auf unterschiedlichen Ebenen wie Gemeinden, Regionen, Interregional. Wie ein Compañero meinte „asambleas no hace falta“ – an Plena fehlt es uns wirklich nicht.


Blick ins Tal auf dem Weg zu einem Kaffeefeld


Am nächsten Morgen ging es für uns in eine Gemeinde in der Nähe, deren Gebiet seit dem Aufstand von 1994 besetzt bzw. wiederangeeignet ist und zum Gebiet des Caracols Morelia IV gehört. Nach einer Vorstellungsrunde führten uns zwei Produzenten auf Ihre Kaffeeparzellen, wo wir selbst Kaffeekirschen ernten konnten. Sowohl das Endergebnis unseres „Ernteversuchs“, wie auch das Verständnis des weiteren Aufbereitungsprozesses, war nur dank der Unterstützung der Compas möglich. Mit viel Geduld und dem nötigen Witz wurde uns der gesamte Weg des Kaffees – Ernten, Fruchtfleischentfernung, Sortieren, Waschen, Trocknen, Sortieren - Schritt für Schritt erklärt. Ein gemeinsames Mittagessen hat den Besuch abgerundet, sodass wir am Nachmittag überwältigt von dem täglichen Widerstand, der atemberaubenden Landschaft und der harten Arbeit, die in jeder Tasse Kaffee steckt, nach San Cristobal zurückfahren konnten.


Für reife Kaffeekirschen kamen wir zwei Wochen zu spät, die übrigen reifen noch etwas nach


Despulpadora - Handmaschine zur Entfernung des Fruchtfleisches der Kaffeekirschen



Die Lagerhalle (Bodega) der Kooperative


Besuch bei der Kooperative Yachil Xojobal Chulchán

Die vergangenen Tage haben wir mit Mitgliedern der zapatistischen Kaffeekooperative Yachil Xojobal Chulchán verbracht. Bereits zum Ende der vergangenen Woche hießen sie uns bei selbstgeröstetem Kaffee in ihrem Büro im Norden von San Cristóbal herzlich willkommen. Zusammen mit Menschen von den Kollektiven La Gota Negra, La Libertaria aus Italien und Café RebelDía aus der Schweiz entstand ein reger Austausch über die aktuelle Situation der Kaffeeproduzierenden. Derzeit hat die Kooperative 477 Mitglieder, davon sind 155 Frauen. Neben Einschätzungen zum Kaffeeanbau war auch der Einblick in ihre Wahrnehmung der politischen Lage der Region sehr bereichernd.
Das Einzugsgebiet der Kooperative liegt in den „Altos“, in dem die geografischen Begebenheiten und die Bodenbeschaffenheit den Anbau von Kaffee erschweren, weshalb viele Familien bereits in andere (zapatistische) Gemeinden abgewandert sind. Die Kooperative hat auch durch die Sicherheitslage vor einigen Jahren viele Mitglieder verloren, da es vor allem die Befürchtung gab, dass Rohkaffee-Zahlungen direkt nach dem Abheben geraubt werden könnte.
Einige bleiben nach Wegzug weiterhin Teil der Bewegung, andere verlassen diese ganz, teilweise schlicht aus Erschöpfung nach Jahren der Selbstorganisation und Kämpfen gegen widrige Umstände und Repression.


Auch auch dieses Kaffeefeld ist abgeerntet, nach der diesjährigen sehr guten Ernte werden viele der alten Pflanzen keine Kischen tragen, neue Pflanzen wachsen bereits nach.


Anfang dieser Woche ging es dann für zwei Tage gemeinsam mit den Compas in eine Gemeinde im Gebiet des zapatistischen Verwaltungszentrums Oventik, die teilweise von Zapatistas bewohnt wird. Vor einigen Jahren war die Anzahl der zur Bewegung gehörenden Menschen hier deutlich größer, im Moment sind die Zahlen aus den oben bereits genannten Gründen eher rückläufig.

Auf dem Weg fahren wir an unzähligen großen, bunten Häusern mit ausgefallener Architektur vorbei, teilweise sehen sie aus wie Disney-Schlösschen. Diese „casas norteñas“ („nordische Häuser“) werden vor allem von Geldern finanziert, die von in die USA migrierten Familienangehörigen geschickt werden, aber z.T. auch aus der organisierten Kriminalität stammen. Seit unserem letzten Besuch wurde sehr viel gebaut, die früher eher kleinen Dörfer im Hochland wachsen immer weiter. Uns fällt auch auf, dass vielerorts transgener Mais in großen Säcken verkauft wird – die Subsistenzwirtschaft, so hören wir, nimmt ab. Wir fahren auch durch San Andrés, die Stadt, in der fast auf den Tag genau vor 30 Jahren das bis heute von Regierungsseite nicht eingehaltene Abkommen mit der EZLN unterschrieben wurde.


Café Pergamino


In der Gemeinde angekommen machen wir uns, zusammen mit einer Gruppe von ortsansässigen Zapatistas und der Mesa Directiva (Vorstand) der Kooperative, weiter zu Fuß auf den Weg zu einer Kaffee-Parzelle. Bereits auf dem Weg wurden wir immer wieder auf Parzellen hingewiesen, deren Besitzer*innen nicht Teil der Bewegung sind, die andere Anbauweisen (u.a. fällt auf, dass auf diesen Feldern nichts außer Kaffeepflanzen wächst, was auf den Gebrauch von Pestiziden hinweist) nutzen und ihren Kaffee größtenteils an Zwischenhändler verkaufen. Diese Zwischenhändler holen den Kaffee oft bei den Produzent*innen zuhause ab und nehmen „alles mit, was ihnen angeboten wird“, d.h. die Qualität spielt keine Rolle. Dies erscheint kurzfristig, vor allem in Zeiten hoher Weltmarktpreise, wirtschaftlich gut, sorgt aber langfristig für Spaltungen in der Gemeinde und schafft Abhängigkeiten, denen durch die Organisierung in Kooperativen aktiv entgegengewirkt wird.


Perganin-Kaffee bereit für die Weiterverarbeitung, in den nächsten Monaten wird Yachil 10 Container Rohkaffee verschiffen


Auf dem Heimweg schauen wir noch kurz in einem Zentrum für Acopio (Sammelstelle des in einer bestimmten Region geernteten Pergamin-Kaffees) vorbei. In einer großen Lagerhalle sind zu diesem Zeitpunkt schon über 400 Säcke mit Pergamin-Kaffee zusammengetragen worden. Diese werden einzeln registriert, sodass nachvollziehbar ist, welche*r Produzent*in wie viel Kaffee abgegeben hat. Im Laufe des kommenden Tages wird dieser Kaffee mit einem großen LKW zur Aufbereitungsanlage transportiert, um ihn im letzten Schritt der Weiterverarbeitung für den Export nach Europa und die USA vorzubereiten.


Am frühen Morgen steigt der Nebel langsam aus dem Tal auf.


Mit einer Fahrt durch vernebelte Berge am frühen Morgen startet der zweite Tag. Angekommen bei der Bodega von Yachil gibt es eine Vorführung der besagten Aufbereitungsanlage. Detailliert können wir nachvollziehen, wie an dieser Stelle aus dem getrockneten Pergamin-Kaffee in mehreren Schritten durch das Sieben, Schälen der Pergamin Schale, der Entfernung von Schalenresten und mehrschrittiges Sortieren Café Oro (Rohkaffee) wird. Die Kooperative nutzt diese Anlage seit 2023 und ist damit von anderen Betrieben unabhängig. Glücklich darüber, endlich mal wieder aus der Stadt herausgekommen zu sein, sowie über den offenen Austausch mit dem neuen Vorstand der Kooperative und das gemeinsame Lachen, kehren wir nach San Cristóbal zurück.


Ein Maschinenbeauftragter erklärt uns, wie das elektronische Auge die letzte Sortierung der Kaffeebohnen vornimmt.



Blick in die Maschinenhalle





„Resistir" – Widerstand leisten


Ciao ciao …

Nachdem wir uns noch mit mehreren Gruppen, Aktivist*innen und Organisationen zu Themen wie kommunalen Radios, autonomer Bildung, Gefangenenunterstützung und städtischer Solidaritätsarbeit mit den zapatistischen Gemeinden getroffen und ausgetauscht haben, verabschieden wir uns nun von Chiapas und von euch.

In der letzten Woche war hier viel los. Wie bereits im Bericht vom 06.02. kurz beschrieben, kann sich die Sicherheitslage sehr schnell ändern. Nach der Tötung des Jalisco-Kartell-Chefs „El Mencho" kam es auch in Chiapas zu kleineren Brandanschlägen durch Kartellmitglieder. Seit Jahren tobt im Bundesstaat Chiapas ein Territorialkampf zwischen den Kartellen „Sinaloa" und „Jalisco" – die Tötung eines Kartellbosses, wie nun geschehen, wird daher mit Skepsis betrachtet. In den vergangenen Tagen wurde uns mehrfach berichtet, dass solche Militäreinsätze in der Vergangenheit nicht zu einer Schwächung der Organisationen geführt haben, sondern die Gewalt durch neue Machtkämpfe innerhalb und zwischen den Gruppen der organisierten Kriminalität häufig noch verschärft haben. Eine drohende Einmischung der USA, die einige mexikanische Drogenkartelle als Terrororganisationen eingestuft hat, zeichnet ein noch düstereres potentielles Zukunftsszenario. Trotz all dem wurde uns während der Reise immer wieder viel Zuversicht vermittelt – trotz der widrigen Umstände gibt es sehr viel Organisierung und Kämpfe für das Leben von links und unten. Das macht Mut!

Den Kopf voller Eindrücke, Einschätzungen und vieler schöner Begegnungen machen wir uns nun auf den Rückweg. Wir sind sehr dankbar für die vielen Einzelpersonen, Gruppen und natürlich auch die zapatistischen Kooperativen und Produzent*innen, die uns herzlich empfangen haben und uns mit viel Zeit und Offenheit begegnet sind. Bis zum nächsten Mal!


 
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