Über uns

Wer wir sind & was wir wollen

Wir sind drei Frauen und ein Mann, die seit Mai 2012 als Kaffeekollektiv Aroma Zapatista in Hamburg zapatistischen Kaffee verkaufen.

Unsere Motivation: Wir sind unerschütterliche Weltverbesser_innen, die eine gerechtere und solidarischere Welt anstreben. Eine Welt, in der die Menschen respektvoll miteinander umgehen und Verschiedenheiten ihren Platz haben, eine Welt ohne  Ausbeutungsverhältnisse und Naturzerstörung. Das ist ein hehrer Wunsch, der nicht so einfach zu erreichen ist. Ein Punkt, an dem wir ansetzen, ist der weltweite Handel. Er ist durch immer wachsende Profitsteigerungen auf Kosten von Mensch und Natur und durch drastische Wohlstands- bzw. Armutsgefälle gekennzeichnet. Wir möchten über den solidarischen Handel mit Kaffee zumindest im Kleinen etwas verändern. Dem kapitalistischen Markt eine soziale, politische und ökologisch verträglichere Alternative entgegen setzen. Wir alle können über kritisches, solidarisches Konsumieren unseren Teil dazu beitragen!

Um auch hier vor Ort Veränderungen herbei zu führen, bringen wir uns in unterschiedlichen Bereichen ein: Ob in Chiapas-Solidaritätsgruppen, in politischen Netzwerken, in sozialen und autonomen Zentren, in Wohnprojekten, in der alternativen Bildungsarbeit, bei alternativen Medien oder in der Menschenrechtsarbeit. Die Vielfalt unserer politischen und sozialen Aktivitäten fließt als Bereicherung in unsere Arbeit ein.

Wie kam es zur Gründung unseres Kollektivs?

Wir alle haben mehrere Jahre lang bei der Café Libertad Kollektiv eG gearbeitet. Im Februar 2012 kam es zu einer Trennung bei Café Libertad in dessen Zuge, sechs von neun Kollektivmitgliedern das Kollektiv verlassen haben. Dem ging ein langer, interner Konflikt mit vielen vergeblichen Lösungsversuchen voraus, der es unvermeidbar gemacht hat, getrennte Wege zu gehen. Im Zuge der Trennung wurde folgende gemeinsame Erklärung veröffentlicht:

-Es gab unauflösbare inhaltliche und persönliche Differenzen. Über die genauen Hintergrunde und die Rahmenbedingungen der Trennung haben wir Stillschweigen vereinbart, um die zukünftige Arbeit nicht mit gegenseitigen Vorwürfen zu belasten.
Ein Teil der Kollektivmitglieder führt Café Libertad weiter. Ein anderer Teil wird ein neues Kollektiv gründen, welches ab dem 1. Mai 2012 ebenfalls zapatistischen Kaffee vertreiben wird. Andere Kollektivmitglieder haben sich entschlossen in Zukunft andere Wege zu gehen.
Wir hoffen ihr habt Verständnis dafür, dass wir nicht genauer auf die Ursachen der Differenzen eingehen.
Mit solidarischen Grüssen
Stephan Hofer, Folkert Mohrhof, Ninja Pulster;
Hans-Martin Kühnel, Dorothea Moehle, Stefan Paulus, Dorit Siemers, Ralf Simon, Kerstin Trubert-

Nach der Trennung  war es für uns das wichtigste, die Soli-Arbeit mit und für die zapatistischen Gemeinden über den Handel mit Kaffee fortzuführen. Mit der Zusage für Rohkaffee aus der Ernte 2011 / 2012, der nötigen Prise Selbstvertrauen und mit toller Unterstützung vieler Menschen, haben wir von Ende Februar bis Anfang Mai 2012 unser neues Kollektiv aus dem Boden gestampft. Nachdem wir einen guten Start gehabt haben, geht es in der Anfangszeit vor allen Dingen darum, uns bekannt zu machen und viele neue Kaffeetrinker_innen zu gewinnen.

Wir und die Zapatistas

Unsere Unterstützung und Zusammenarbeit mit den zapatistischen Gemeinden findet auf zwei Ebenen statt: auf der persönlich-politischen Ebene und auf der Ebene des Handels mit zapatistischem Kaffee. Zwei von uns begleiten die Bewegung von Anfang an bzw. seit vielen Jahren und haben einen persönlichen, direkten Bezug zu Chiapas: Sie waren als Menschenrechtsbeobachterinnen in mehreren zapatistischen Gemeinden, haben in und mit verschiedenen Organisationen in Chiapas zusammengearbeitet. Sie haben mehrere Medienproduktionen erstellt (z.B. Filme, Ausstellungen, Broschüren, Radiosendungen), bieten in Deutschland Veranstaltungen zum Thema an und sind hier in Solidaritätsgruppen und Netzwerken aktiv.

Drei von uns waren mehrmals in Chiapas, um die zapatistischen Kaffeekooperativen zu besuchen. Ein persönlicher Austausch ist uns wichtig, um das Kennenlernen zu verstärken und uns aus erster Hand gegenseitig über alle relevanten Belange zu informieren.

Durch diese vielfältigen Erfahrungen konnten wir einen Einblick in das Leben und die Strukturen vor Ort in Chiapas bekommen.

Wir unterstützen es sehr, dass die Zapatistas seit ihrem Aufstand Gerechtigkeit und die Anerkennung ihres Rechts auf Selbstverwaltung einfordern sowie eigene Konzepte umsetzen – autonom, gemeinschaftlich und basis-demokratisch. Das zapatistische Konzept der Organisierung von unten, also von der Basis aus, die fortwährende Reflexion eigenen Handelns finden wir sehr konstruktiv und bereichernd - auch für unsere eigenen Widerstands- und Organisierungsprozesse.

Die zapatistischen Kaffeekooperativen sind vor dem Hintergrund entstanden, möglichst unabhängig zu sein, ihre eigene Konzepte im Wirtschaften umzusetzen und die zapatistische Bewegung zu stärken. Der solidarische Handel mit ihnen ist eine Möglichkeit der konkreten, finanziellen Unterstützung zapatistischer Strukturen für die wir uns entschieden haben. Unsere direkte Unterstützung für die zapatistischen Gemeinden besteht im Sammeln von Unterstützungsgeldern: Ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf des zapatistischen Kaffees fließt nach Chiapas zurück, um den Aufbau der zapatistischen, selbstverwalteten Strukturen zu unterstützen. Konkret sieht es so aus: Wir behalten 0,45 € vom Verkauf jeden Kilos Röstkaffee ein. Das Geld wird an die zapatistischen Räte der Guten Regierung der fünf Verwaltungszonen übergeben. Diese setzen das Geld je nach den Erfordernissen vor Ort ein – in der Regel für Gesundheits-, Bildungs- und Infrastrukturprojekte.

Wir legen großen Wert auf Austausch mit den Kooperativen, auf ein gleichberechtigtes Miteinander und auf eine Orientierung unserer Arbeit an den Bedürfnissen der Kaffeebäuer_innen. Geplant sind jährliche Besuche bei den zapatistischen Kooperativen, um den direkten Austausch über aktuelle Entwicklungen und Themen zu suchen. Im September 2012 sowie im September 2013 haben wir die drei zapatistischen Kaffeekooperativen besucht. Bei den Treffen geht es u.a. um Preise für Kaffee und Zitronengrastee, Absprachen für die neue Ernte oder auch Nachbereitung der letzten Importe. Zudem sprechen wir über die aktuelle Situation in Chiapas, über Erfolge und Schwierigkeiten der Kooperative und bei uns, etc..

Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist das Schaffen von Öffentlichkeit hinsichtlich der Entwicklung und der aktuellen Situation der zapatistischen Gemeinden und in Chiapas generell. Wir bieten Veranstaltungen an, bringen uns in Kampagnen und Netzwerken ein und sind in Solidaritätsgruppen aktiv.

Wie sieht unsere Zusammenarbeit mit den zapatistischen Kaffeekooperativen aus?

Im Handel mit Kaffee orientieren wir uns an den Prinzipien des solidarischen Handels. Wie im solidarischen Handel üblich, kaufen und importieren wir  den Rohkaffee direkt von den zapatistischen Kooperativen. Unsere Zusammenarbeit mit den Kooperativen in Chiapas ist langfristig angelegt. Wir wollen mit unserer Arbeit erreichen, dass die Kaffeebäuer_innen nicht den schwankenden Weltmarktpreisen unterworfen sind, sondern ihnen einen möglichst stabilen und möglichst hohen Preis zusichern. Daher haben wir die Kaffeepreise an die Kooperativen trotz des sinkenden internationalen Rohkaffeepreises nicht gesenkt. Wir sehen im solidarischen Handel(n) einen kleinen aber wichtigen Schritt, um den auch auf dem Kaffee-Weltmarkt herrschenden, kapitalistischen Strukturen eine soziale, politische und ökologische Alternative entgegen zu setzen.

"Por un mundo donde quepan muchos mundos - Für eine Welt, in der viele Welten Platz haben!"