mehrere Tage werden die Kaffeebohnen gewendet und getrocknet

Bio-Kräutertees aus der selbstverwalteten Kooperative SCOP TI in der Provence

Wer ist SCOP TI ?

SCOP TI – Société coopérative ouvrière provencale de thés et infusion ist eine kollektiv verwaltete Teekooperative in Géménos bei Marseille. Sie arbeitet nach den Prinzipien der sozialen und solidarischen Wirtschaftsweise und organisiert sich in basisdemokratisch-partizipativen Strukturen. Seit 2014 produziert sie zwei eigene Teemarken aus solidarischer Arbeit und bemüht sich dabei, immer stärker auf Tee aus biologischer Landwirtschaft umzustellen.

Entstanden ist die Kooperative aus einem langwierigen und harten Arbeitskampf gegen das multinationale Unternehmen Unilever, das 2010 beschließt, die Teefabrik Fralib in Géménos mit 182 Beschäftigten zu schließen, um die Produktion nach Polen auszulagern. Dagegen gehen die Arbeiter*innen mit viel Protesten und gerichtlichen Klagen vor und bekommen Recht: die vom Unternehmen vorgeschlagenen Sozialpläne, mit denen es sich aus der Verantwortung ziehen will, werden von französischen Gerichten dreimal für ungültig erklärt.

2011 spricht Unilever trotzdem die ersten Kündigungen aus, worauf ein Großteil der Arbeitenden den Betrieb besetzt. Nach einem Gerichtsurteil im November 2011 muss Unilever die Leute wieder einstellen und die Produktion wieder aufnehmen – das Ende der ersten Besetzung.

Nachdem Unilever 2012 ankündigt, die Maschinen abzutransportieren, besetzen die Arbeiter*innen erneut das Gelände. Dieses Mal über dreieinhalb Jahre lang – genau 1336 Tage.

In dieser Zeit nimmt der von Gewerkschaften und Teilen der Zivilgesellschaft unterstützte Widerstand vielfältigste Formen an und reicht vom Boykott der Unilever-Teemarken und der Blockade des zentralen Logistikzentrums des Unternehmens, über Demonstrationen und Mahnwachen in Paris bis hin zu einer Solitour mit eigens gegründeter Band und Theatergruppe. Immer wieder wird von Unilever aus versucht, die Bewegung durch hohe Abfindungsangebote zu spalten und durch Einschüchterungen, Anzeigen und lange Verhandlungspausen zu schwächen. Auch wenn durchgängig ungewiss ist, ob ihr Widerstand erfolgreich sein wird, lässt sich ein Großteil der kämpfenden Arbeiterschaft davon jedoch nicht beirren, im Gegenteil: Sie machen ihren Kampf national bekannt, vernetzen sich mit anderen Arbeitsbewegungen und gelten bald wegen ihres Mutes und ihres Durchhaltevermögens als Vorbild.

Im Mai 2014 erfolgt endlich eine Einigung mit Unilever: Das Unternehmen überlässt der frisch gegründeten Kooperative SCOP TI für einen symbolischen Euro die Maschinen, der Gemeindeverband der Stadt Marseille kauft das Fabrikgelände auf, alle verbliebenen Arbeiter*innen erhalten eine Entschädigungszahlung und die Kooperative ein kleines Startkapital. Die Rechte an den Teemarken und die Abnahmegarantien rückt das Unternehmen jedoch nicht heraus – ein schwerer Schlag, denn so sieht sich die junge Kooperative ihres wichtigen Handelsnetzes beraubt. 2015 entwirft sie also eine neue Produktionslinie und vertreibt fortan zwei eigene Teemarken, die sie vor allem über französische Handelsketten verkauft und peu à peu im Land bekannt macht. Trotz hoher finanzieller Last für das junge Projekt, werden alle 48 nach der zweiten Besetzung verbliebenen Arbeiter*innen als Mitglieder in die Kooperative aufgenommen. Es erfolgt eine komplette Umstrukturierung des Betriebes, der sich fortan als Kooperative kollektiv selbstorganisiert. Viele Arbeiter*innen erhalten Weiterbildungen, um alle anfallenden Aufgaben der Produktionskette (Verwaltung, Produktion, Qualitäts- und Hygieneprüfung, Logistik, etc.) abdecken zu können und den Betrieb selbstorganisiert am Laufen zu halten.

Seinen Arbeitsplatz behalten zu können ist ein schöner Sieg, aber zu zeigen, dass diese Art zu wirtschaften möglich ist, das ist der schönste Sieg.“

Philosophie der Kooperative SCOP TI

Kollektiv selbstorganisierte Arbeitsstruktur: Die Kooperative organisiert sich in kollektiven Arbeitsstrukturen, die alte Hierarchien ablösen und Verantwortungen neu verteilen. Entscheidungen werden dabei gemeinschaftlich in einer Generalversammlung oder von einem gewählten, elfköpfigen Verwaltungsrat getroffen, der für vier Jahre von den 58 Mitgliedern der Kooperative bestimmt und von einem Leitungsgremium kontrolliert wird.

Soziale und solidarische Wirtschaftsweise: In ihrer Arbeit geht es SCOP TI um gerechte Löhne für die Produzierenden und Dienstleistenden, sei es auf den Kräuter- und Teefeldern oder in der Fabrik in Géménos. Durch die Selbstverwaltung müssen keine Gelder mehr an Aktionäre gezahlt werden und für bessere Arbeitsbedingungen in der Produktionskette wird ein größerer Spielraum eröffnet. Neben den Kooperationen mit lokalen Landwirt*innen aus der Provence streben die Genoss*innen enge solidarische Handelsbeziehungen mit kleinbäuerlichen Kooperativen aus Vietnam für den Import von grünem Tee an.

Möglichst lokale und biologische Produktion: Die Kooperative versucht, ihre Produktion immer stärker auf lokale und biologische Produktion umzustellen. Hierdurch werden regionale Pflanzen und lokales Handwerk wiederbelebt, Arbeitsplätze vor Ort gehalten und das regionale Handelsnetz gestärkt. Verwendeten Aromen sind natürlichen Ursprungs.

Produkte

SCOP TI: Für diese Marke verwendet die Kooperative biokogisch angebaute Kräuter aus der Provence, die sie über lokale Händler und Kooperativen bezieht. Dieses Anliegen ist den Mitgliedern der Kooperative sehr wichtig. Wahrscheinlich haben sie auch deshalb der Marke den Namen der Kooperative gegeben. Die qualitativ hochwertige Linie wird vor allem im Einzelhandel vertrieben – und auch wir bieten sie an.

1336: Für die Marke 1336 (die Anzahl der Tage, welche die zweite Besetzung der Fabrik andauerte) ist der Wunsch, biologisch angebaute und lokal produzierte Inhaltsstoffe zu verwenden, noch nicht erfüllbar. Diese Linie wird für große Handelsketten produziert und vor allem in Supermärkten verkauft. Damit sichert sich die Kooperative eine finanzielle Basis, um ihre Arbeit zu entlohnen und Kosten zu decken. Langfristig soll auch hier mehr Einfluss auf die Herkunft der Inhaltsstoffe und die Anbau- und Handelsbedingungen genommen werden.

Warum wir SCOP TI unterstützen?

Mit dem Verkauf der noch wenig bekannte Marke SCOP TI möchten wir die Kooperative in ihrem Anliegen unterstützen, die lokale und biologische Produktion in der Provence auszubauen und ihre politischen Ziele bekannter zu machen. Wir solidarisieren uns mit ihrem Kampf um selbstorganisierte Strukturen und würdige Arbeitsbedingungen. Denn durch ihren mutigen Widerstand gegen den Unilever Konzern und durch den Aufbau der Kooperative stellen sie kapitalistische Verwertungslogiken infrage und zeigen, dass andere Produktionsbedingungen möglich sind.

Wir haben das beseitigt, was schädlich ist für unsere Gesellschaften: die Entlohnung der Aktionäre, denn wir brauchen niemanden bezahlen, der von heute auf morgen über unser Leben und Sterben entscheidet.“

Von der Kooperative SCOP TI könnt ihr bei uns folgende leckere Bio-Teesorten erhalten:

  • Kamillentee

  • Krauseminzetee

  • Zitronenverbenentee

  • Lindenblütentee

  • Krauseminze-Lindenblütentee

  • Lindenblütentee Tilleul des Baronnies

  • Zitronenverbenen-Krausminzetee


Weitere Infos: