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Indigene Bewegung CRIC

Der Regionale Rat der Indigenen im Cauca (CRIC)

Seit seiner Gründung im Jahr 1971 wird der CRIC (Regionaler Rat der Indigenen im Cauca) verfolgt und kriminalisiert. Damals wollten Großgrundbesitzer_innen und ihre bewaffneten Schergen eine indigene Bewegung und Organisierung im Keim ersticken. Doch die Selbstorganisierung der Indigenen im Cauca konnten sie trotz der Ermordung zahlreicher Amtsträger_innen nicht verhindern. Der Widerstand gegen Kolonialisierung und Unterdrückung hat eine lange Geschichte und führte 1971 zur Gründung des CRIC. Damals standen besonders der Kampf gegen die terraje (– eine Art Frondienst), sowie die Frage nach eigenem Land im Vordergrund des Kampfes der indigenen Bevölkerung, die hauptsächlich als Kleinbäuer_innen ihr Überleben bestritten. Diese Selbstorganisierung der Indigenen im CRIC begann im kleinen Ort Jambaló im Norden des Cauca. Diese Region ist seither als widerständig bekannt und ist auch heute der Ausgangspunkt vieler Proteste und Mobilisierungen.
Im CRIC sind heute ein Großteil der indigenen Bevölkerung im Cauca organisiert. Diese setzt sich aus zehn indigenen Gruppen (pueblos indígenas) zusammen: die Nasa, Misak, Kokonuko, Totoró, Yanacona, Inga,..., die alle ihre eigene Kultur und auch ihre eigene Sprache besitzen.

Die Nasa-Indigenen im Norden des Cauca sind mit einer Bevölkerung von rund 120.000 Indigenen die bei weitem größte Gruppe. Die Misak als weitere große Gruppe umfasst mehr als 5000 Mitglieder. Andere, kleinere pueblos indígenas sind in der Gefahr, auszusterben.

Der CRIC ist die Selbstverwaltung der Indigenen auf Departement-Ebene. Er formiert sich aus regionalen Selbstverwaltungen in neun Zonen (wie z.B. der ACIN im Norden des Cauca, Nasa Chxacxha in Tierradentro, Juan Tama im Nachbartal Inzà). Die Organisierung der indigenen Gemeinschaften ist territorial definiert und sehr basisdemokratisch.

Die Verfassung Kolumbiens garantiert den Indigenen in ihren Gebieten, in Kolumbien Resguardos genannt, weitgehende wirtschaftliche und politische Autonomie.

Neben der Selbstverwaltung und der eigenen politischen Macht, existieren eine eigene Justiz sowie eigene Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Dazu kommen eigene Medien und verschiedene Formen eigenen Wirtschaftens.

Gemeinsame Ökonomie – Gemeinsamer Kampf

Die Indigenas im Cauca haben sich verschiedene Formen der gemeinsamen und kollektiven Ökonomie bewahrt. Die Nasa kennen kein Privateigentum an Land – die einzelnen Familien haben zwar ihre eigenen Parzellen, das tul mit Heilpflanzen. Sie helfen sich aber gegenseitig bei der Bewirtschaftung und oft gibt es zusätzlich gemeinsame Parzellen, die kollektiv bestellt werden. Auch andere Aufgaben in der Gemeinschaft werden in der minga – der gemeinsamen Arbeit – miteinander bewältigt.

Als minga wird jedoch auch der gemeinsame Protest bezeichnet, die Massen-Mobilisierungen, mit denen die Indigenen des Cauca zusammen mit afro-kolumbianischer und kleinbäuerlicher Bevölkerung die Region und die Pan Americana oft wochenlang lahm legen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Kampf gegen Landraub und Neoliberalismus

In Kolumbien ist die minga mittlerweile auch in den Medien und weiten Teilen der Bevölkerung ein Begriff, seitdem 2008 über 100.000 Menschen im Cauca auf die Straßen gingen und den Protest bis nach Bogotá getragen haben. Aus vielen anderen Regionen des Landes kamen Indigene, Afrokolumbianer_innen und Kleinbäuer_innen. Frauen- und studentische Organisationen schlossen sich ebenso an wie einzelne Gewerkschaften. Nach wochenlangen Protesten in vielen Teilen des Landes zog die minga in Bogotá ein und beendete den beeindruckenden Protest mit 30.000 Menschen und einem Kongress in der Hauptstadt.

Der Protest richtete sich sehr klar gegen die rechts extreme Regierung von Alvaro Uribe Vélez. Seine Politik der Militarisierung der Gesellschaft, die aggressive Bekämpfung jedweder Opposition, die Eskalation des Krieges und die neoliberale Wirtschaftspolitik brachte den Protest von Hunderttausenden auf die Straßen des Landes.

Der Versuch der Opposition, im Dialog mit dem Präsidenten zu Lösungen zu gelangen scheiterte an der Unnachgiebigkeit des Rechtspopulisten. Doch mit der minga entstand eine neue Protest- und Widerstandsbewegung, die auch in den kommenden Jahren immer wieder massiv für soziale Gerechtigkeit und Frieden auf die Straße ging. Die Indigene Bewegung im Cauca und ihre Selbstorganisation CRIC waren immer federführend dabei.